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  1. #1
    Administrator Benutzerbild von Michael

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    Pfeil Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)

    Hallo liebe Community,

    Die schwarze Soldatenfliege Hermetia illucens, auch als schwarze Waffenfliege,Black Soldier Fly oder "Phoenix Worms" bekannt, wird ja nun schon seit einiger Zeit als hervorragendes Futtertier angepriesen.
    Kein Wunder, bei einem spitzenmäßigen Kalzium/Phosphor-Verhältnis der Maden von 1,5:1. Besitzen doch beispielsweise Grillen nur ein Verhältnis von 0,08:1, Mehlwürmer gar nur 0,03:1. Auch der für Fliegenmaden geringe Fettgehalt von 9% machen die Maden zu einem echten Allroundfutter.
    (Zahlenquelle: Kerf.de)

    Ich möchte hier meine Methode zur Zucht von schwarzen Soldatenfliegen beschreiben.

    Der Zuchtbehälter.
    Ich verwende eine transparente Kunststoffbox (Clear-Box, Fa. Regalux) mit den Maßen 55x40x42cm die es nun schon seit längerem bei Bauhaus gibt. In deren Deckel habe ich eine 13x25cm große Lüftungsfläche und eine 17x15cm große Klappe, um in der Box hantieren zu können, eingebaut.
    Die Ausschnitte dafür wurden mit einer Vibrationssäge gemacht, eine Laubsäge und etwas Geduld funtioniert auch. Zum ankleben der Aluminium-Gaze habe ich Heißkleber verwendet. Diese Boxen bestehen in der Regel aus thermoplastischen Kunststoffen (PE,PP), deshalb ist Heißkleber perfekt geeignet um stabile Verklebungen zu erreichen.

    Die Beleuchtung.
    Ich setze eine 55W Dulux-L Röhre ein um dem hohen Lichtbedürfnis der Fliegen gerecht zu werden. Weil ich nirgends einen Reflektor dafür finden konnte habe ich aus einem Stück Hammerschlag-Blech eine Leuchte in Eigenbau angefertigt. Solche Arbeiten sollten nur von einer Elektrofachkraft ausgeführt werden !
    Versuche mit diversen normalen 15/18W Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen verliefen komplett erfolglos. Bei zu geringer Beleuchtung verhalten sich Soldatenfliegen praktisch völlig bewegungslos und es kommt nicht zu Paarungen. Erst beim Einsatz einer 70W HQI, und später der 55W Dulux-L, begannen Flugaktivitäten.

    Das Zuchtsubstrat.
    Als Substrat zur Eiablage verwende ich Kokoshumus und Legemehl für Hühner, etwa im Verhältnis 1:1 bis 2:1 gemischt.
    Das Substrat muß ständig leicht feucht sein. Hier liegt meiner Meinung nach die größte Schwierigkeit der Zucht. Mit der Feuchtigkeit darf man es keinesfalls übertreiben, sonst schimmelt das Substrat und beginnt unangenehm zu riechen. Das Gemisch darf wirklich nur sehr mäßig feucht sein und sollte alle 2-3 Tage etwas nachgefeuchtet werden, nach ein paar Versuchen hat man den Bogen raus. Die Maden wachsen rasant und fressen beträchtliche Mengen, so dass man eventuell einmal wöchentlich Legemehl nachlegen muss.

    Die Zucht.
    In der Zuchtbox befindet sich eine etwa 5cm hohe Schicht Kokoshumus die ständig leicht feucht gehalten wird. Darauf werden Heimchendosen, oder ähnliche Behälter, platziert die Zuchtsubstrat und Maden enthalten.
    Die Zucht erfolgt bei mir bei etwa 26-28°C. Nachts fällt die Temperatur bis auf 22°C. Die Maden erzeugen relativ viel Eigenwärme, trotzdem sollte man kein ganz kühles Plätzchen zum aufstellen der Box wählen um eine zusätzliche Beheizung überflüssig zu machen.
    Nach ~2 Wochen stellen die Maden die Nahrungsaufnahme ein und beginnen aus den Heimchendosen heraus in den Kokoshumus zu wandern, in dem sie sich dann verpuppen. Auch wenn das Legemehl im Zuchtsubstrat zur Neige geht veranlasst das die Maden in den Kokoshumus abzuwandern, allerdings sind sie dann kleiner und es schlüpfen natürlich auch kleinere Fliegen. Je nachdem welche Terrarientiere gefüttert werden sollen kann das aber gewünscht sein.
    Nach etwa einer weiteren Woche schlüpfen die 15-20mm großen Fliegen.
    Ein sehr angenehmer Umstand bei der Vermehrung von Hermetia illucens ist die Tatsache das die Fliegen keine Nahrung zu sich nehmen und somit nicht gefüttert werden müssen. Alle 2 Tage sprühe ich die Wände des Zuchtbehälters leicht an um den Fliegen Trinkwasser zu bieten. Bei der Gelegenheit feuchte ich auch das Zuchtsubstrat und den Bodengrund nach. Das wäre auch schon der größte Teil des sehr geringen Arbeitsaufwands einer solchen Zucht.
    Die Fliegen beginnen 2-4 Tage nach dem Schlupf damit sich zu paaren und Eier abzulegen. Etwa eine Woche später kann man die ersten Maden im Zuchtsubstrat entdecken.
    Die Lebensdauer der Fliegen beträgt etwa 10-14 Tage.

    Die Maden lassen sich zum verfüttern leicht aus dem Substrat sammeln. Bei den Fliegen verhält es sich so, das sie schon bei gedämpfter Raumbeleuchtung praktisch nicht zum auffliegen neigen und sich relativ leicht von den Behälterwänden pflücken lassen. Trotz der großen Klappe in meiner Box sind erst wenige Fliegen entkommen. Die lassen sich dann auch leicht an der nächsten Lichtquelle einsammeln weil sie extrem stark gen Licht streben. Insgesamt ist das Flugverhalten eher langsam, vielleicht vergleichbar mit dem von Motten oder geflügelten Ameisen.


    Auch bei Soldatenfliegen ist es wie mit jeder Futtertierzucht: Man braucht etwas Übung und Routine.
    Wenn man die zwei wichtigsten Punkte, viel Licht und nur mäßig feuchtes Eiablagesubstrat, beachtet finde ich die Vermehrung von schwarzen Soldatenfliegen nicht schwieriger als beispielsweise eine Grillenzucht. Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist eher geringer.

    Gruß und viel Erfolg
    Michael



    Verwendete Literatur:
    Bruse,Frank;Meyer,Michael;Schmidt,Wolfgang: Ein interessantes Futtertier: Die schwarze Soldatenfliege (Hermetia illucens) In: Elaphe 1/2010 S.58
    Miniaturansicht angehängter Grafiken Miniaturansicht angehängter Grafiken Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-zuchtbehaelter_ansicht_komplett.jpg   Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-zuchtbehaelter_draufsicht.jpg   Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-beleuchtung_komplett.jpg   Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-zuchtsubstrat.jpg   Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-groessenvergleich_made.jpg  


  2. #2
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    Hier noch zwei Fotos von Maden und Fliegen.
    Miniaturansicht angehängter Grafiken Miniaturansicht angehängter Grafiken Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-maden.jpg   Zucht der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens)-soldatenfliege.jpg  

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von Andreas D

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    Hallo Michael !
    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Nachdem Du ja jetzt mit einer 55W-Beleuchtung auskommst, bin ich mal gespannt auf die Ausbeute, die sich mit diesem Verfahren erzielen lässt.
    Wo hattest Du die ersten Maden her - von Kerf.de ?
    Hält sich die Geruchs"belästigung" in Grenzen oder ist das Ganze durch das verwendete Legemehl sogar geruchsfrei ?
    Weisst Du was über die Temperatur-Obergrenze bei der Zucht ?
    Bei mir im Terrarienraum wird es im Sommer unterm Dach doch recht warm...

    Gruß,
    Andreas

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  4. #4
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    Hallo Andreas,

    Meine ersten Maden hatte ich von terraristik-city.de. Gegen die von Kerf spricht aber sicher auch nichts.
    Geruch tritt nicht nennenswert auf. Innerhalb der Box riecht es leicht nach Hühnerstall, außerhalb ist davon nichts zu bemerken. Die Box steht bei mir im Wohnzimmer.

    Eine Temperaturobergrenze kenne ich so nicht.
    Für die Fliegen sind deutlich über 30°C sicher kein Problem. Bei den Maden bin ich mir nicht sicher ob es bei hohen Außentemperaturen vielleicht irgendwann zu einer Überhitzung kommen kann weil sie noch selbst ordentlich Eigenwärme erzeugen. Die Heimchenboxen werden angenehm warm.

    Gruß
    Michael

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Benutzerbild von Andreas D

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    Hi Michael !
    Danke für die schnelle Info - dann werde ich in Mannheim mal schauen, ob ich Maden bekomme.

    Gruß und bis morgen Abend,
    Andreas

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  6. #6
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    Hallo Michael,

    schöner Zuchtbericht!

    Wie lange am Tag lässt Du die Lampe brennen?

    viele Grüße
    Martin

  7. #7
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    Hallo Martin

    Die Lampe ist im Stromkreis anderer Terrarienbeleuchtung, und brennt etwa 10 Stunden am Tag.

    Gruß
    Michael

  8. #8
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    Hallo Michael,

    wenn ich es richtig verstanden habe, wird das helle Licht benötigt, um die Fliegen aktiv und in Paarungsstimmung zu bekommen, richtig? Meinst Du es würde auch ausreichen, sie 5 oder 6 Stunden am Tag so hell zu beleuchten und den Rest des Tages mit etwas weniger Licht?

    viele Grüße
    Martin

  9. #9
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    Genau Martin, 1-2000Lux wie ich sie in Versuchen mit T8-Röhren oder Ringförmigen Energiesparlampen (Osram Circolux) maximal erreichte waren viel zu wenig. Unter diesen Bedingungen sitzen die Fliegen nur bewegungslos, wie tot, an den Behälterwänden.
    Ich erreiche mit der Dulux-L ~7000 Lux in der Mitte der Box. Das halte ich so ziemlich für die Untergrenze.

    Ja, ich kann mir vorstellen das 5-6 Stunden Beleuchtung am Tag reichen.
    "Etwas weniger Licht danach" macht aus oben genannten Gründen vermutlich kaum Sinn. Wenn, dann würde ich die Box nach 5-6 Stunden bei normaler Zimmerbeleuchtung stehen lassen.
    Ausprobiert habe ich das aber noch nicht.

    Ich hatte mal überlegt ob wegen eines möglichst geringen Stromverbrauchs vielleicht sogar ein 35W HQI reicht, den man direkt in den Deckel einbaut.
    Hatte aber keinen zur Hand um das zu testen. Sicher bin ich mir nicht, aber das müsste eigentlich (knapp?) reichen.

    Die hellste und verhältnismäßig günstigste Variante die mir einfiel waren Dulux-L. Ich finde übrigens die Dinger werden in der Terraristik viel zu wenig beachtet, gerade für kleinere Becken sind sie super.

    Gruß
    Michael

  10. #10
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    toll dass du das geschrieben hast. soweit verstehe ich auch alles. das ist nicht immer der fall
    welches vorschaltgerät würden Sie empfehlen?

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